Was sind Initialen?

Die Initiale ist eines der wichtigsten Schmuckelemente der Handschriftenkultur des Mittelalters und sticht beim ersten Betrachten eines Manuskriptes sofort ins Auge. Denn das Hervorheben des ersten Buchstaben eines Textes oder Absatzes sowie seine Verzierung zieht sich durch alle bekannten Exponate mittelalterlicher Handschriftenkunst. Dabei waren der Phantasie und Kreativität des Buchmalers keine Grenzen gesetzt, und so finden sich neben Buchstaben, die einfach nur etwas größer als der Rest des Textes dargestellt wurden, üppig ausgestaltete Initialen, die bildhaft ganze kunstvolle Szenen widergeben und sich über eine ganze Handschriftenseite ausbreiten. Solche Initialzierseiten können auch in der Form der Ligatur mehrerer Initialen daherkommen. In vielen Handschriften sind die Anfangsworte des Textes abgesetzt vom übrigen Textkorpus direkt neben der Initiale geschrieben. Auch bei der Farb- und Formgestaltung gab es große Unterschiede: Einfarbigkeit findet sich bei den kunstvollen Anfangsbuchstaben ebenso wie Mehrfarbigkeit oder gar die Benutzung von Blattgold.

Gleichwohl lassen sich Initialen der uns erhaltenen mittelalterlichen Handschriften in bestimmte Kategorien einordnen. Eine der bekanntesten Formen ist dabei die Lombarde. Lombarden sind einfache Buchstaben, die oft bauchartig gerundet sind, wobei die Farbgebung zwischen dem 13, und dem 15. Jahrhundert zwischen rot und blau abwechselt.  Lombarden weisen bisweilen eine so große Ähnlichkeit auf, dass man meint, sie seien Ergebnis einer Schablonenzeichnung.  Ihre Funktion ist eindeutig: Die Lombarden unterteilen den Text in sinnhafte Abschnitte und erleichtern so die Lesbarkeit.

Etwas stärker setzt sich die Feldinitiale vom übrigen Text der Handschrift ab, denn diese Art der Initiale befindet sich in einem Rahmen, der Platz für eine Ausschmückung im Form von Figuren bietet. So findet man in zahlreichen Handschriften dann auch anthropo – und zoomorphe Initialen, also Anfangsbuchstaben, die in Gänze oder zum Teil aus menschlichen oder tierischen Figuren gebildet wurden. Bisweilen werden diese Figuren auch in gebogener Form dargestellt; man spricht in solchen Fällen auch von der gymnastischen Initiale.

Bei manchen Initialen bilden die erwähnten Figuren nicht selbst den Buchstaben, sondern sind nur neben oder innerhalb der Initiale zu sehen. Diese Art wird entsprechend als bewohnte Initiale bezeichnet. Eine Sonderform stellt die historisierende Initiale dar, bei der eine Figur aus dem Text selber die Initiale in bewohnter oder figürlicher Form schmückt. Man findet eine solche Verwendung beispielsweise bei den Lebensbeschreibungen oder Viten bekannter Heiliger.

In den Handschriften des Spätmittelalters finden sich weitere Schmuckformen der Initiale, bei der diese von pflanzen- bzw. rankenartigen Verzierungen umgeben ist. Auch hier lassen sich unterschiedliche Formen unterscheiden: Die Rankeninitiale ist Eine Initiale, die aus Pflanzenranken besteht, auf der häufig auch kletternde menschliche oder tierische Figuren zu erkennen sind. Davon zu unterscheiden ist die Spaltleisteninitiale, die im Gegensatz zur vorherigen Form aus aufgespalteten Ranken besteht, die von Bändern zusammengehalten werden.

Als Fleuronée bezeichnet man schließlich jede Art von Zierde, die von der Initiale ausgeht und dabei stets als Blätter, Blüten oder Ranken gemalt wurden,


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